Die Fragen stellte Urs Bruder im Februar 2026
Hallo Boris und Glückwunsch zur ersten Tippmeisterschaft!!
Das ist ja eine absolute Blitzkarriere, die Du da bislang hingelegt hast.
Gleich in der ersten Tipprunde Gesamtpunktbester und nach der vierten Runde schon Tippmeister, nicht schlecht!
Die meisten Tipper werden Dich nicht kennen, erzähl uns doch bitte ein wenig über Dich und wie Du zur Tipliga gekommen bist.
Boris:
Ich bin 56 Jahre alt, gebürtiger Bobbele (Freiburger), verheiratet und habe zwei Jungs,
die mit 21 und 23 Jahren mittlerweile aus dem Gröbsten raus sind.
Ich habe in den 90ern zehn Jahre in OF verbracht und durfte dort als Leistungsschwimmer mit dem EOSC Offenbach
und einem wunderbaren Team tolle Erfolge feiern und eine unvergessliche Zeit verbringen.
Wir treffen uns übrigens bis heute in regelmäßigen Abständen.
In dieser Zeit habe ich Sportwissenschaften in Frankfurt studiert (u.a. mit Jürgen Klopp,
den ich aber nie persönlich kennengelernt habe - es kannte ihn damals ja auch noch keiner -:)
Eigentlich wollte ich damals in OF bleiben aber Frau und Job haben mich wieder nach Südbaden zurückgebracht.
In Freiburg durfte ich dann in drei Pflegeheimen über 18 Jahre lang ein Bewegungskonzept aufbauen.
Vor einem Jahr habe ich mich selbständig gemacht und arbeite als Berufsbetreuer
und kümmere mich um Menschen, die ihre (rechtlichen) Angelegenheiten nicht mehr besorgen können.
Meine Liebe zu Offenbach und zu den Kickers habe ich aber nie verloren.
Und so hatte ich auch immer Kontakt zu einigen "Kickersnasen",u.a. zu Matze Winter,
der mich auch hier in die Tipliga gebracht hat. Ich bin ihm extrem dankbar dafür.
Du bist mit der Staffel vom EOSC ja Deutscher Meister geworden, gemeinsam mit Michael Groß,
dem dreifachen Olympiasieger und fünffachen Weltmeister. Wie war das damals?
Habt ihr jeden Tag trainiert und mehrere Stunden in der Schwimmhalle verbracht?
Und kommt der "Albatros" auch zu Euren Treffen? Wie geht's ihm denn so?
Boris:
Ich kam Anfang 1990 als junger Freiburger im Alter von 21 Jahren damals nach Offenbach,
nachdem ich vorher einige Offenbacher Schwimmerkollegen in der Sportkompanie Warendorf im Rahmen des Wehrdienstes kennengelernt hatte.
Michael war in der damaligen Zeit quasi in den letzten Zügen seiner Karriere.
Ich bin ja doch etwas jünger als er und selbstverständlich war der „Lange“, wie er in Offenbacher Schwimmerkreisen genannt wird,
damals das große Idol. Von daher war es für mich das größte Erlebnis überhaupt mit ihm die 4 × 200 Kraulstaffel,
die sogenannte Königsstaffel bei den ersten gesamtdeutschen Meisterschaften 1990 schwimmen zu dürfen.
Wir sind allerdings nur Zweiter geworden hinter dem damaligen Topteam aus Hamburg um Vizeweltmeister Stefan Pfeiffer.
Aber das war mir aber ehrlich gesagt vollkommen wurscht. Ich habe den Moment einfach nur genossen.
Mit dem EOSC durfte ich übrigens auch danach noch in einem wunderbaren Team mit tollen Menschen viele Erfolge genießen.
Schwimmen ist damals wie heute im Leistungsbereich nahezu ein Fulltime-Job.
Wir hatten circa zehn Schwimmeinheiten á 2 Stunden pro Woche,
zusätzlich Krafttraining, Stretching und Laufen jeweils dreimal pro Woche.
Ich durfte damals übrigens auch noch im Tambourbad schwimmen, auf dem Bieberer Berg oben.
Selbstverständlich treffen wir uns auch heute noch in regelmäßigen Abständen.
Die intensive Zeit von damals verbindet uns immer noch.
Michael geht es insgesamt gut. Er ist ja beruflich und privat recht erfolgreich.
Vor zwei Jahren durfte er seinen 60. Geburtstag feiern.
Selbstverständlich ist er bei den Treffen auch immer dabei.
Was ich so besonders an ihm schätze, ist seine Bescheidenheit.
Im Gegensatz zu vielen anderen Persönlichkeiten hatte er es nie nötig, sich in der Öffentlichkeit in den Vordergrund zu stellen.
Hast Du eigentlich eine Tippstrategie mit der Du so erfolgreich bist oder einen Rat an die anderen Tipper?
Boris:
Ich habe einen großen Beraterstab mit Fußballexperten, eine Art Task-Force, die mich täglich in der Tippstrategie berät und unterstützt.
Hahaha. Völliger Quatsch, Rainer Zufall ist mein bester Freund. Viel Bauchgefühl, wenig Unentschieden, ich liebe Klarheit.
Zufall kann Dein Erfolg in der Tipliga nicht sein.
Wenn man alle Punkte aus den vier Tipprunden zusammenzählt, an denen Du teilgenommen hast, stehst Du an erster Stelle (siehe Grafik).
Und Du tippst tatsächlich sehr wenige Unentschieden, nämlich 9,6 Prozent aller Spiele.
Letzte Runde hatten die direkt hinter Dir Platzierten teils (deutlich) mehr Unentschieden-Tipps
(Urs 16%, AndiB 31%, Frank 24%). Tippst Du eigentlich noch in anderen Tipprunden oder bist Du ein Naturtalent?
Boris:
Wie gesagt, bei meinen Tipprunden ist ziemlich viel Bauchgefühl dabei.
Wie man aktuell sieht, habe ich leider eher mit dem Abstieg zu kämpfen.
Von daher weiß ich nicht wirklich, ob ich tatsächlich ein Naturtalent bin.
Wenn Du außer Matze Winter niemanden in der Tipliga persönlich kennst,
ist es dann nicht ein bisschen langweilig hier zu tippen oder macht Dir das nichts aus?
Boris:
Ja, außer Matze Winter kenne ich hier bisher noch keinen.
Aber ich bin ja auch noch nicht so lange dabei.
Vielleicht gibt’s sich ja noch eine Möglichkeit, den ein oder anderen kennenzulernen. Darüber würde ich mich sehr freuen.
Die Nationalmannschaft hat in jüngster Vergangenheit nicht unbedingt für Aufbruchstimmung gesorgt.
Meinst Du, sie kann bei der kommenden Weltmeisterschaft trotzdem um den Titel mitmischen
oder wird sie erneut die Gruppenphase nicht überstehen?
Boris:
Wir waren schon immer eine Turniermannschaft und ich denke, dass wird auch im Sommer so sein.
Wir haben grundsätzlich einige richtig gute Jungs im Team.
Nach dem Kroos-Abgang fehlt uns momentan noch der Mittelfeldmotor und auch die Torhüterposition ist schwierig zu bewerten.
Aber ich bin guter Dinge, dass unser Julian das hinbekommt und lasse mich hoffentlich positiv überraschen.
Das mit der Turniermannschaft hat in den letzten Jahren ja nicht mehr so richtig geklappt... Aber hoffen wir das Beste!
Wie sieht's mit dem SC Freiburg aus? Besuchst Du die Spiele? Und schafft es der SC über kurz oder lang in die Champions League?
Boris:
Vorrangig schlägt mein Herz für Kickers Offenbach.
Ich bin da einfach mit meinem Herzen hängen geblieben und liebe die Hesse-Bube mit ihrem offenen Herzen.
Von daher nutze ich auch jede regionale Gelegenheit die Kiggäs anzuschauen.
Aber als gebürtiger Freiburger und natürlich als fußballinteressierter Mensch sympathisiere ich mit dem SC Freiburg.
Seit einigen Jahren habe ich gemeinsam mit meinem Sohn eine Dauerkarte und stehe als emotionaler Mensch in der Fankurve mittendrin.
Und der SC Freiburg ist ja meiner Meinung nach auch nicht der unsympathischste Verein.
Die arbeiten seit Jahren grundsolide ohne Zampano-Gehabe und künstlichen Konstrukten.
Hinsichtlich der Champions League denke ich genauso wie du. Das wird irgendwann automatisch kommen.
Und dann ist man möglicherweise so weit nicht nur teilzunehmen, sondern ist auch wettkampftauglich.
Vor zwei Wochen war ich übrigens mit meinem Sohn im Fanbus mit dabei in der Euro League in Lille.
Zwei Nächte im Bus waren allerdings eine extrem harte Nummer.
Vielleicht sollte ich mich in meinem doch fortgeschrittenen Alter zukünftig etwas zurückhalten. Spaßig war`s trotzdem.
Zwei Nächte im Bus zu verbringen ist wirklich hart.
Vielen Dank Boris für das Interview und weiter
hin viel Glück beim Tippen!